Broschüre russischLiebe Elena,

ich habe nicht vor den Wänden gestanden und gedacht, darüber ein Buch zu schreiben. 2001, als der erste Veteran aus Ihrer Stadt Sankt Petersburg seinen Namen gefunden hatte, sah ich die Wände und Botschaften plötzlich mit anderen Augen. Ich fragte mich oft, wer hatte da noch geschrieben. Es wurden weitere Namen gefunden. Um nicht zu vergessen, wann wer seinen Namen fand, habe ich mir Notizen gemacht. Ich war nach Peter oder Haifa eingeladen worden, hatte Fotos und meine Erinnerungen. Eines Tages setzte ich mich hin und begann zu schreiben.

Boris Viktorowitsch am 11.10.2001 im Reichstagsgebäude

Letzten Endes ist nun ein Buch daraus geworden, besser gesagt, ein Manuskript. Für meine russischen Besucher habe ich meine Broschüre angefertigt und bei meinem Chef durchgesetzt, sie verteilen zu dürfen. Ich schicke sie Ihnen. Ich wollte nicht, dass das, was ich weiß, verloren geht, wenn ich nicht mehr im Bundestag arbeite.

Der Bundestag verlegt keine Bücher, also muss ich mich darum alleine kümmern. Den ersten Verlag störte die angespannte politische Situation zwischen EU und RF störte. Ich kündigte den Vertrag und wandte mich an andere Verlage. Auch an die russische Seite. Es kamen keine Entscheidungen zur Finanzierung. des Buches.

Ich kann mich also nicht, wie sich Elena Dmitrieva — die vom „Buch-Manuskript“ begeistert ist- sich das vorstellt, mein Buch in Pressekonferenzen bei den Deutschen Tagen in Peter vorstellen. Gerne war ich jedoch bereit, Ihren Schülern Rede und Antwort zu stehen. Über die Menschen, die mir bei meiner Arbeit begegneten, habe ich geschrieben. Dann eben auch noch alle Wände dokumentiert.

 

Zu den „Kindern“ von Lew Gawrilowitsch ist ein besonderes Verhältnis gewachsen. Bei der sprichwörtlichen, russischen Gastfreundschaft kein Wunder.

Es gibt auch noch die Geschichte der Zwangsarbeiterin Maria M. Das Kind, das sie betreute, habe ich nicht gefunden. Sie selber konnte keine Kinder mehr bekommen.

 

Jeder Mensch hat ein Schicksal und viele entstanden durch Kriege. Wie ja auch die Geschichte Ihres Vaters. Ich habe mir Zeit genommen, den Menschen nach den Führungen zuzuhören. Sie hatten es verdient, wichtig genommen zu werden. Gelobt werden doch immer nur die Oberen, die Kleinen werden vergessen. Es ist so wichtig, ohne Vorurteile miteinander zu reden. Kriege lösen nichts. Man darf nie vergesse, welches Leid sie bringen.

Meine Sprachkenntnisse haben sich durch den intensiven Kontakt mit russischen Menschen erheblich verbessert, sodass niemand glaubt, dass ich nur in der Schule Russisch lernte. Die Tastatur ärgert mich immer, weil die kyrillischen Buchstaben nie da sind, wo ich sie vermute.

Bystree mogu goworitj, tshem pisatj. Nu, vse budet.

Serdetshnye privety is Berlina Wam i shkolnikam.

Karin FelixРисунок167

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